Rezension von Paul Gifford's Buch
»The Hammered Dulcimer – a history«
Lorenz de Biasio, 2001
Von den engsten Insiderkreisen seit Jahren ungeduldig erwartet, jetzt ist es endlich erschienen: Paul Gifford's umfängliches Werk über das Hackbrett: »The Hammered Dulcimer« (Lanham und London, 2001).

Wie er auf Seite 5 darlegt, liegen die Wurzeln dieser Monographie einerseits in den Aktivitäten des Autors als Dulcimerspieler seit 1971 – andererseits wäre sie sicher nicht denkbar gewesen, hätte Paul Gifford nicht seit 1987 außerdem den Beruf des Bibliothekars und Archivars an der Universität von Michigan ausgeübt, ergriffen.
Pauls Ambitionen waren bei dieser Publikation auf nichts Geringeres als eine möglichst lückenlose Bestandsaufnahme des Hackbrett-Typus, und zwar weltweit, gerichtet.
Dieses Ziel konnte wohl von vornherein nur deshalb gesteckt werden, weil über die Exoten »Santur« und »Yanquin« eine bereits ausreichende Literatur in Englisch greifbar war und weil Paul deutschsprachige Fachartikel auch ohne Zuhilfenahme eines Übersetzers versteht.

Die Kapitel dieses Buches:
Es ist in 17 Kapitel eingeteilt, auf die »Introduction« folgt das Kapitel über die mittelalterlichen »Forerunners« (Vorläufer) des Hackbretts (gut 15 Seiten), das dritte Kapitel befasst sich mit dessen »Origins« (dem europäischen Renaissancehackbrett - knapp 20 Seiten), das vierte mit dem arabischen »Santur« (ebenfalls knapp 20 Seiten), das fünfte mit dem zentraleuropäischen »Hackbrett« (gut 35 Seiten), das sechste mit dem »Cymbal« (60 Seiten), das siebte mit dem »Pantaleon« (5 Seiten), das achte mit dem »Salterio« (17 Seiten), das neunte mit dem »Tympanon« (15 Seiten), das zehnte mit dem chinesischen »Yanquin« (knapp 20 Seiten), das elfte mit dem englischen (gut 25 Seiten) und die restlichen Kapitel mit dem amerikanischen »Dulcimer« (ca. 150 Seiten).

Die einzelnen Kapitel sind jeweils in einen historischen und in einen instrumentenkundlichen Teil aufgeteilt, wobei der »historische« jeweils bis in die neueste Zeit hineinreicht.
Selbstverständlich sind alle Kapitel mit zahlreichen Literaturangaben, das fünfte z. B. mit insg. 159 versehen, worunter so ausgefallene Quellen wie der Artikel »Volkstanz, Volksmusikanten und Volksinstrumente der Oberpfalz« von Walter Hartinger (1980) zu finden sind.
Natürlich enthält dieses Kapitel auch Angaben über die heutige bayerische Hackbrettszene, die leider jedoch etwas spärlich geraten sind.

Völlig klar ist, dass einem Autor natürlich die Gegebenheiten des eigenen Landes das Wichtigste sind, sein zweiter Interessensschwerpunkt scheint mir in der äußerst komplexen Geschichte des Cymbals zu liegen, die er in wahrhaft ungeheurer Materialfülle ausbreitet.

Etwas weniger perfekt ist dagegen das Kapitel über das Salterio ausgefallen, wo er glatt vergessen hat, auf die Mailänder Salterioszene einzugehen.

Insgesamt muss das Buch ohne Übertreibung als unentbehrliches Nachschlagewerk für alle Hackbrettinteressierten bezeichnet werden.

Übrigens: Es ist durchgehend in einem so einfachen Englisch verfasst, dass es großteils auch ohne tiefere englische Sprachkenntnisse verstanden werden kann. Ulkig wird's allerdings oft dort, wo man sich amerikanische geographische Begriffe rückübersetzen muss, denn wer kommt schon gleich drauf, dass »Styria« schlicht die Steiermark ist und »Upper Palatine« die Oberpfalz?