Neue Musik im Musik-Wettbewerb "Jugend musiziert"
Belisa Mang
Die Neue Musik, die in den letzten 40 Jahren für das Hackbrett geschrieben wurde, hat die Entwicklung des Instruments vorangetrieben, die Spieler technisch gefordert und vorangebracht, das Repertoire erweitert und somit eine Grundlage, für die Zulassung des Hackbretts zum Wettbewerb geschaffen.

Das Konzept Neue Musik früh in den Unterricht einzubringen, wie z.B. mit Stücken von Peter Kiesewetter in der Hackbrettschule „Pizz und Batt“ von Birgit Stolzenburg und leicht spielbaren Stücken wie den „Traumgeschichten“ von Dorothea Hofmann, erleichtert vielen Schülern den Zugang zu Neuer Musik, auch wenn sie noch oft von einem skeptischen Blick der Eltern begleitet wird.

Die Teilnahme an „Jugend musiziert“ ist oftmals der (dann nicht ganz freiwillige) Anlass, sich ernsthafter mit moderner E-Musik zu beschäftigen und sich an schwerere Stücke heranzuwagen. Das erstaunliche Ergebnis, das ich seit Jahren beobachten kann, ist, dass, obwohl die modernen Stücke nach eigener Angabe meist nicht zu den Lieblingsstücken der Schüler zählen, diese am besten interpretiert werden.

Dies mag an dem Mehr an Arbeit liegen, das die Schüler und die Lehrer in die Erarbeitung der Neuen Musik stecken. Der Lehrer muss den Schüler an die ungewohnten Klänge heranführen, mit Bildern verständlich machen und Konzepte entwickeln, um die ungewohnten, anspruchsvollen Rhythmen wie z.B. in der „Invention XI“ von Edwin Kammerer, dem „Epilog“ von Rudi Spring oder „Auf den Tod eine Baumes“ von Michael Rüggeberg mit dem Schüler zu üben. Der Schüler entwickelt sich musikalisch weiter, gewinnt mehr Selbstbewusstsein, und die aufgeschlossenen Zuhörer und die Jury erfreuen sich an unerwarteten Melodieverläufen, raffinierten Rhythmen und hackbrettspezifischen Spieltechniken wie Tremolo, Glissando und Flageolett.

Neben den Einzel- und Ensemblewettbewerben gibt es noch alle drei Jahre eine eigene Kategorie „Neue Musik“, an der die verschiedensten Besetzungen teilnehmen können. Neben der Erarbeitung eines rein modernen Repertoires ist für Hackbrett-Spieler interessant, dass man sich in dieser Kategorie auch einmal mit klassischen Instrumenten misst und bis zur Bundesebene aufsteigen kann. Insgesamt ist es eine sehr spannende Kategorie, in der die Palette von der klassischen Moderne bis zur abgefahrenen Klanginstallationen reicht.

Die Probenarbeit für ein rein modernes Programm ist natürlich sehr arbeitsintensiv, schweißt die Schüler aber auch ungemein zusammen, und diese haben natürlich viel Spaß an den Reisen in die verschiedenen Städte der Wettbewerbe.

Erfreulicherweise hat die Auswahl an spielbaren neuen Stücken für Schüler in den letzten 20 Jahren zugenommen, aber natürlich hört man beim Wettbewerb meist die Hits wie „Kleine Suite für zwei Hackbrettspieler“ von Günter Bialas oder die oben erwähnten Solostücke. Ein paar mehr „Hits“ könnten wir noch brauchen und ich hoffe, dass sich auch in den nächsten 20 Jahren noch so einige junge Komponisten für das Hackbrett interessieren werden und uns mit einer Auswahl an meditativen, rockigen, melancholischen und schrägen Stücken, mit denen wir unsere Schüler motivieren und an die Neue Musik heranführen können, beglücken werden.