Neue Aspekte aus der Geschichte des Salterios
Lorenz de Biasio

Zum Artikel "Musikinstrumente in Neapel im 18. Jahrhundert"

Im Internet bin ich auf den Artikel „Musikinstrumente in Neapel im 18. Jahrhundert“ von Francesco Nocerino gestoßen. Er enthält eine bisher unbekannte, recht interessante Quelle über das Salterio. Es handelt sich um einen Zahlungsbeleg vom 10.12. 1734 (Matrikel 1171.10 in der Sammlung Banca di Poveri). Darin ist nach Nocerino „von einem gewissen Saverio Pugliese die Rede, einem Maestro di Salterio, den der Herzog von Flumeri für die Reparatur und Ersetzung der Decke eines in seinem Haus befindlichen, mit chinesischen Motiven dekorierten Psalters bezahlte“.

Aus der "Nuova Teoria di Musica"

Ebenfalls im Internet habe ich das Digitalisat der „Nuova Teoria di Musica“ des Mailänders Carlo Gervasoni (Parma 1812) gesichtet, obwohl das mit meinen kümmerlichen Italienischkenntnissen in der Regel sinnlos ist.

Das Buch enthält ein Komponistenverzeichnis, in dem sehr knapp z. B. auf Monza, Chiesa und Piazza („illustri allievi Milanese“) eingegangen wird. Ausführlicher und mit größtem Respekt wird interessanterweise der Sieneser Komponist Paolo Salulini abgehandelt. Während im Instrumententeil des Buches merkwürdigerweise mit keiner Silbe auf die sog. Mailänder Mandoline eingegangen wird, findet sich auf S. 47 eine kurze Passage über das Salterio „moderno“, welches von Padre Grazioli in Lodi (unweit von Mailand) entwickelt worden sein soll „e perfezionato da Antonio Battaglia“. Dass das Ganze um einiges früher als vor „30 anni “ (was 1780 gewesen wäre) gewesen sein muss, ist uns heute bekannt.

Höchst interessant an dieser Textpassage ist die Formulierung „lo troviamo oggi …“ – wir treffen es heute an, also (noch) im Jahr 1812. Dies würde bedeuten, dass Battaglias Instrumente nach der Schließung seiner Werkstatt noch mindestens 25 Jahre in Gebrauch waren.

Das "Hackbrett" Mi 249 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Die aus rund 30 historischen Hackbrettern bestehende Sammlung dieses Museums befindet sich bekanntlich nach wie vor im Dornröschenschlaf. Dank Reinhard Hoppes Bemühungen um diese Sammlung verfügen wir wenigstens über Photographien der meisten von ihnen. Die Ablichtungen von Mi 249 (laut Museum ein „Hackbrett wohl 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts“) zeigen aber, dass es sich bei diesem Instrument mit höchster Wahrscheinlichkeit um ein unsigniertes (frühes?) Salterio von Battaglia handelt.

Was bei historischen Hackbrettern normalerweise unmöglich ist, nämlich den Namen seines Erbauers herauszufinden, ist allein bei Battaglia möglich: Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist Battaglias Verteilung der Wirbelreihen nämlich ein Alleinstellungsmerkmal:

Nur bei Battaglia stehen sich auf dem Wirbelstock unten sehr dichte und oben deutlich weiter voneinander entfernte Wirbelreihen gegenüber. Ziel des Ganzen war mit Sicherheit, eine bestimmte Saitenlänge für die hohen Töne zu erhalten, u.a. für das oberste Tonpaar am Teilungssteg, das f3 und cis3.

Bei den mit „Battaglia“ signierten Salterii in Berlin, Halle und Bregenz stehen die obersten beiden Wirbelreihen in deutlichem Abstand voneinander, in ähnlicher Weise die drei Wirbelpaare darunter. Von oben nach unten gesehen ist erst ab der neunten Wirbelreihe abwärts die enge Stellung zu verzeichnen.

Exakt diese Wirbelverteilung findet sich auch auf Mi 249. Obwohl die Zahl der Wirbel pro Reihe um jeweils einen Zähler geringer ist als bei den signierten Instrumenten, ist kaum daran zu zweifeln, dass es auf Battaglia zurückgeht.