Lobgedicht des sächsischen Hofdichters Ulrich von König
auf Pantaleon Hebenstreit
anlässlich eines Geburtstagsständchens
für eine der Prinzessinnen (1725)
Ein neues Chaos ist dein wunderbar Zimbal,
Woraus du, aus 4 Elementen,
Die sich in jenem Klumpen trennten,
Auch deine Stimmen ziehst, die diesen gleich an Zahl.
Wie du dieß Werk erfandst durch eigenes Bemühen,
So weiß auch deine Hand darauf schnell zu vollziehen,
Was dein Verstand ihr anbefiehlt.
Dies heißt erschaffen, nicht gespielt.
O welcher Reichtum an Gedanken!
An Sätzen welcher Überfluß!
Zwo Fugen, die sich gleichsam zanken,
Befriedigt hier ein fremder Schluß.
Dort weiß so manchen Thon sein Schlag herauszuleiten,
Der ordentlich mit Fleiß verwirrt
und sich recht nach der Kunst verirrt,
In diesem Labyrinth von so verschiednen Saiten
Wann ein Gefühl-loß Holz den todten Drat beseelt,
Ein falscher Anschlag trifft, durch Kunst ein andrer fehlt,
Weiß nieman, ob dieß Meisterstücke
Ob mehr der Meister uns entzücke?
Fahr fort! Jedoch nicht mehr so laut,
Laß die gedämpften Klöppel hören!
Wer kann, der dich jetzt hört und schaut,
Des Seufzens sich vor Lust erwehren?
Hört zu! Wie meisterhaft, wie reizend, wie verliebt!
Bald gleiche, bald gebrochne Gänge
Bald ganz vollstimmige Gesänge
Wie schmeichelnd, wie gelehrt, wie schnell, wie Kunst geübt.