Gedanken zu den Regional- und Landeswettbewerben
»Jugend musiziert« 2006
Belisa Mang
Dank dem großen Engagement von Birgit Stolzenburg und der wohlgesonnenen Unterstützung des Vorsitzenden des Landesausschusses Bayern Herrn Schwarz konnten dieses Jahr die Hackbrett-Schüler wieder an den »Jugend musiziert«-Regionalwettbewerben in München, Garmisch, Waldkraiburg, Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt und Passau und das erste Mal auch am Landeswettbewerb, der dieses Jahr in Bobingen ausgerichtet wurde, teilnehmen.

Offiziell ist das Hackbrett noch immer nicht in die Ausschreibung für »Jugend musiziert« aufgenommen und angesichts leerer Kassen überall im Kulturbereich ist es natürlich gerade jetzt schwierig ein neues Instrument beim Wettbewerb zu etablieren. Noch dazu war ausgerechnet dieses Jahr der Andrang zum gesamten Wettbewerb so riesig, daß die Vorspiele in München an drei verschiedenen Orten stattfanden.

Birgit Stolzenburg hatte organisiert, daß das Hackbrett-Vorspiel im Richard-Strauss-Konservatorium im Gasteig stattfand. Lorenz de Biasio und Studenten von Frau Stolzenburg übernahmen ehrenamtlich die Betreuung der Wettbewerbsteilnehmer.
In München war die größte Teilnehmer-Gruppe mit 26 Spielern, verteilt auf zwei Tage. Weitergeleitet an den Landeswettbewerb aus allen Regionalwettbewerben wurden insgesamt 21 Kinder und Jugendliche.

Ich habe mir den größten Teil des Münchner Wettbewerbs sowie das Vorspiel in Garmisch mit 8 Teilnehmern und den gesamten Landeswettbewerb in Bobingen angehört. Die jüngeren Altersgruppen müssen mit ihrem Programm drei Musikstile abdecken: Klassik, Moderne und Volksmusik, die Teilnehmer ab 16 Jahre: Klassik und Moderne. Auffallend war, wie auch schon bei dem Wettbewerb vor 3 Jahren, daß die eher unbeliebte Moderne meist viel ausdrucksstärker, schöner und mutiger gespielt wurde als die klassische Musik und auch die Volksmusik (Vielleicht weil die Schüler denken, daß man bei moderner Musik die Fehler nicht so genau hört?).

Die Jüngeren haben häufig Stücke aus den Traumgeschichten von Dorothea Hofmann gespielt, die älteren Stücke von Michael Rüggeberg, Rudi Spring sowie Edwin Kammerer (Invention Nr.11!). Die Sonaten-Favoriten in der Abteilung Klassik waren: Conti, Chiesa G-Dur, Monza C-Dur. Zu den Sonaten ist Begleitung (Klavier, Harfe, Gitarre, Baßhackbrett) erlaubt und erwünscht, allerdings dürfen die Lehrer selbst ab der Altersgruppe 3 (ab 12 Jahre) nicht mehr begleiten, was natürlich noch mehr Organisation und Engagement erfordert, wenn man Extraproben mit anderen Schülern, Eltern oder Kollegen planen und durchführen muß. Es lohnt sich allerdings, da die Sonaten, die Solo vorgetragen wurden, rhythmisch doch oft sehr wackelig waren. Insgesamt waren die Leistungen der Kinder und Jugendlichen durchweg erfreulich.

Mein Eindruck war, daß das Niveau dieses Jahr besser war als beim Solowettbewerb vor drei Jahren. Die Stimmung der Instrumente war noch immer nicht optimal, aber erträglich. Es wäre schön, wenn sich das bei den nächsten Wettbewerben noch bessern würde! Totale »Ausreißer« (=lieblos-schwerfälliges Gehacke) gab es nicht (was ich bei dem Solowettbewerb vor drei Jahren durchaus erlebt habe).

Ein paar wenige Ausnahmebegabungen gab es auch, deren musikalischen Ausdruck und natürliche Musikalität man ganz entspannt genießen konnte.
Manchmal hätte ich mir mehr musikalischen Ausdruck gewünscht, aber man darf eben nicht vergessen, daß dieser Wettbewerb keine Übung nur für angehende Musikstudenten sein soll, sondern ein Forum und eine Motivation zum Musizieren für »Normalsterbliche«.

Im Hinblick darauf, daß das Hackbrett eben (noch) nicht in der offiziellen Ausschreibung ist, müssen wir als Lehrer andererseits darauf achten, daß das Niveau gut ist und sich doch von einem hausinternen Musikschulwettbewerb oder einem Landkreiswettbewerb abhebt – eine schwierige Gratwanderung.

Schön zu beobachten war, daß sich die Schüler, die ich bei beiden Vorspielen gehört habe, vom Regional- zum Landeswettbewerb alle nochmal gesteigert haben. Die Stücke waren doch noch sicherer, ausgefeilter und die Teilnehmer ein ganz kleines bißchen weniger aufgeregt. Das Interesse der Juroren beim Landeswettbewerb war erfreulich.

Die Nicht-Hackbrettisten sind auf die Schüler zugegangen, haben sich das Instrument angeschaut und sich technische Details erklären lassen. Der Vorsitzende der Jury, der den jeweiligen Vorspielkandidaten begrüßt, vorstellt und die Reihenfolge des Programms ansagt, ist sehr nett mit den Kindern umgegangen und hat versucht eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Ein schwieriges Thema sind die Beratungsgespräche, die nach dem Vorspiel und vor der Bekanntgabe der Ergebnisse stattfinden. Was kann man von einer Jury erwarten, die den Schüler kurz einmal 6 bis 20 Minuten sieht und hört? Noch dazu sollen sie den Schüler ja zum Weitermachen motivieren – da bleibt nicht viel Spielraum – bei zu wenig Lob sind die Schüler frustriert und bei zu viel Lob kann es Tränen geben, weil man dann doch nur einen zweiten Platz belegt hat … Die Schüler und die Eltern sollte man vorwarnen, daß sie sich nicht zu viel von den Gesprächen erwarten, der Eindruck, den die Jury gewinnt ist einfach sehr kurz – und Jury-Mitglieder sind doch auch nur Menschen …

Am glücklichsten ist der Lehrer, wenn die Jury das sagt, was er dem Schüler schon seit Jahren predigt. Die Eltern sind am glücklichsten, wenn sie hören, daß sie ein begabtes Kind haben und die Kinder sind am glücklichsten, wenn sie das Vorspiel hinter sich haben.

Manchmal denke ich, wäre es am sinnvollsten, wenn der Lehrer eine Beratung bekäme, denn schließlich hat ja er die Verantwortung, was technische und stilistische Fragen anbelangt. Für einen Lehrer kann so ein Wettbewerb Anlaß sein, sich einmal wieder Gedanken über seinen Unterrichtsstil und seine Stärken und Schwächen zu machen und sich Anregungen von anderen Lehrern zu holen und sich auszutauschen. Denn auffallend war, daß man bei den meisten Schülern auf Anhieb, sowohl an der Art des Spiels wie auch an der Stückauswahl erkennt, bei wem er Unterricht hat.

Da wird einem wieder bewußt, daß man den Schüler doch stärker prägt, als man denkt und macht einem die Verantwortung deutlich, die man dem Schüler gegenüber hat. Wer es sich einrichten kann, dem kann ich nur raten, sich einmal die Vorspiele anzuhören, auch wenn man keine eigenen Schüler schickt.

Ein paar Tipps für Lehrer, die mit Schülern am Wettbewerb teilnehmen wollen:
Ich kann jedem nur raten nicht mehr als 3 Schüler zu schicken, denn die Vorbereitung und Betreuung ist einfach streßig.

Gedanken sollte man sich auch über die Nervenstärke der Schüler, der Eltern und die eigenen (!) machen.

Ganz wichtig ist beim Hackbrett, die Stimmung des Instruments. Also bitte die Stimmung des Hackbretts vor dem Vorspiel kontrollieren!

Einsendeschluß für das Programm ist immer der 1.Dezember – man sollte sich frühzeitig über das Programm Gedanken machen, die Zeiten der Stücke messen, aber aufpassen, daß der Schüler es nicht schon zu Tode geübt hat bis zum Vorspieltermin, der dann im Januar oder Februar ist.

Schön ist es, wenn es einem gelingt die Wettbewerbsanforderungen mit dem Können des Schülers zu einem runden, ins sich abgeschloßenen Programm zu kombinieren.

Wer sich schon Gedanken zur Reihenfolge der Stücke bei der Anmeldung gemacht hat, sollte diese Reihenfolge auf der Anmeldung eintragen, dann lassen sich verwirrende Diskussionen um die Reihenflge, vor dem Vorspiel vermeiden. Andererseits ist es kein Problem die Reihenfolge noch zu ändern.

2007 wird Hackbrett hoffentlich offiziel oder inoffiziell zum Gruppenwettbewerb zugelassen. Erlaubt sind Hackbrett-Duos-Trios-Quartette oder Mischbesetzungen mit anderen Instrumenten der Zupfinstrumentengruppe (Zither, Gitarre, Mandoline). Wichtig ist, daß alle Spieler der Gruppe immer bei allen Stücken mitspielen.

Eine Literaturliste mit Gruppenstücken hat Birgit Stolzenburg zusammengestellt. Ich hoffe, daß diese demnächst auch im Internet zur Verfügung stehen wird. Und vielleicht sind wir beim Solowettbewerb 2009 dann schon »alte Hasen« und das Hackbrett erfolgreich bei »Jugend musiziert« etabliert.