Über die Einrichtung von Händels Arie "Se giunge" als Instrumentalstück à quatro
Lorenz de Biasio
Der überlieferte Arienbestand der barocken Opern enthält einen relativ hohen Anteil an Stücken in leichtem bis mittlerem Schwierigkeitsgrad.

Sich solche Stücke als reine Instrumentalsätze nutzbar zu machen, wird historisch aber erst durch den massiven Ausbau der Arienbegleitung ab 1700 ermöglicht.

An dieser Entwicklung war G. F. Händel aufgrund seines Italienaufenthaltes von Anfang an beteiligt:

Seine Sopranarie „Se giunge“ (ohne Tempoangabe!) beendet den ersten Akt seiner 1709 in Venedig uraufgeführten Oper „Agrippina“. Händel hat dafür eine erste, recht virtuos angelegte Partitur durch eine vereinfachte ersetzt (sog. B-Fassung), in der die Instrumentalbegleitung zweifellos die Dominanz erhalten hat. Der Sopran geht im Da Capo-Teil der Arie überwiegend nur unisono mit der Instrumentalgruppe und behält gerade mal noch zehn (vom Generalbass begleitete) Takte als Solo.

Diese Art der Stimmenverteilung, die in Vivaldis Opernarien dann häufig sogar als vollständiges Unisono zu finden ist, muss Instrumentalpädagogen heute ja fast zur Zweck“entfremdung“ reizen! Es gibt ja schließlich nichts einfacheres als Händels fünfstimmigen Satz auf vier Stimmen zu reduzieren und die zehn Takte Sopransolo in die „tacet“-Passage einer Instrumentalstimme einzufügen (siehe Partitur unten).

Mein Dank gilt meiner Frau Birgit, die mir die Partitur aus der Chrysanderschen Händelausgabe (im Internet komplett eingestellt und in erträglicher Qualität ausdruckbar), mittels „Finale“ abgesetzt und nach D-Dur transponiert hat, wodurch die Bass-Stimme auf dem Tenorhackbrett realisierbar geworden ist.

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